Autor Thema: Mittelwelle: Fußball WM 1966 Finale Deutschland - England  (Gelesen 6845 mal)

Offline Manuel

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 414
Hallo zusammen!

Jetzt (endlich) habe ich dieses Tondokument komplett digitalisiert und steht zum Abruf bereit. Es ist das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft aus dem Jahr 1966, Deutschland gegen England, also das Spiel mit dem berühmten "Wembleytor", war der Ball über der Linie oder nicht?

Das "umstrittene Tor" in der Verlängerung habe ich für euch als MP3 angehängt. Hier nochmal ein paar Daten zu dieser Aufnahme:

Die Spieler der englischen Nationalmannschaft:
Banks, Cohen, Jack Charlton, Moore, Wilson, Stiles, Bobby Charlton, Peters, Ball, Hurst, Hunt

Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft:
Tilkowski, Schulz, Höttges, Weber, Schnellinger, Haller, Franz Beckenbauer, Overath, Uwe Seeler, Held, Emmerich
Trainer: Helmut Schön

Schiedsrichter war ein gewisser Herr Dienst aus der Schweiz.

Leider konnte ich nicht herausfinden, von welchem Radiosender die Übertragung stammt. Es wurde von Mittelwelle aufgenommen, es ist sehr wahrscheinlich der WDR gewesen. Das Datum war der 30. Juli 1966, also mitten im Sommer - das merkt man an den leichten Gewitterstörungen, die bei Lang-, Mittel- und Kurzwelle ja besonders gut zu Gehör kommen.

Kann mir jemand sagen, wer der Reporter war? Erkennt jemand seine Stimme? Er scheint leichte Kölner bzw. Rheinländische Dialektfärbung zu haben, wenn ich seine "L"-Aussprache richtig deute.

Damals wurde die Live-Reportage noch über Telefonleitung gemacht. Es war jedoch wohl keine "normale" Telefonleitung, so wie es Privathaushalte zur Verfügung hatten, sondern etwas Spezielles mit erweitertem Frequenzbereich usw.

Viel Spaß beim Anhören!

Grüße,
Manuel

Offline Manuel

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 414
Re: Mittelwelle: Fußball WM 1966 Finale Deutschland - England
« Antwort #1 am: 16. Mär. 2008, 10:08 »
Hallo!

Um etwas mehr über die damaligen Übertragungsmethoden über Telefonleitungen zu erfahren, habe ich analogi67-Wolfgang danach gefragt. Er gab mir folgende sehr interessante Antwort, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Zitat von: analogi67
Hallo Manuel,

nun, das wird in der Tat spannend, weil es sich hier im eine internationale Übertragung handelte. Die "2"-Drähtchen in dem Ursprungs- und Zielnetz sind da eine, die Übertragungsstecke auf der Fernebene eine andere.

Tatsächlich konnte man über "Telefonleitungen" eine ganze Menge mehr machen, als für jeden normalen Kunden. So gab es soger handvermittelte, penibel einpegelte Leitungen, wo ein Frl vom Amt per Klinkenstecker Bildübertragungen schaltete.

Eine Untermenge davon, quasi ein sehr frühes Faxgerät findet man im dem Fernsehfilm über die Los Anageles Trbiunge (Reporte so um die 1970er Jahre) wo eine Lesegerät per Bildtommel zeilenweise Fotos eintastet und am Ende ein Modem ein paar Sin2 Tonschwingungen auf die Leitung gab. Hierzu gehört ein sehr klasssche ITU-T- Serie http://www.itu.int/rec/T-REC-F/e und http://www.itu.int/rec/T-REC-T/e. Bildelefonie - wie oben- könnte F.720 sein.  Besonderheit: U.a. auch eine  internationale (Zeichen-) gabebeziehung. (wenn Telefonverbindung mit Zeichengabe Nr 4 oder älter). Muss ich sehen.....

So ist deine Wembly-Frage mehrfach spannend. Wichtig zu wissen ist, wurde "Live" quasi 1:1 das Quellband "durch die Leitung gedrückt" oder - wie bei Bildlesegerät, zeitverzögert ("Timeshifted") und "langsamer". Für letzteres brauchte man eher schmalbandige Leitung, somit fast "jede" Telefonleitung. Es gab ja nun auch die Radioaussendung über Telefonleitungen  (eine Art Rundspruch), indem alle Endteilnehmer ringartig auf eine Quelle geschaltet werden konnten. Sowas fand sich bei der PTT Schweiz (Post- Telefon- und Telefgraphenverwaltung) und es steht auch im DEM Revoxbuch "die sprechenden Maschinen". Es gab es auch im WWII durch die DRP - in Einzelfällen.

Fakt ist: Es gab ganz bestimmte Übertragungstechnik, die im "Core" die entsprechende Leistung hatte, damit 1:1 eine brandbandiges, analoges Quellsignal durchgeschaltet werden konnte; im Wege der Kurzzeitüberlassung stunden oder tageweise geschaltet. Hierzu gehört auch einmal ein "regulierter" (Monopol-) übertragungsweg, in der Königsklasse ein R450M (ein analoge Breitbandleitung mit einer Bandbreite von 450 MHz), ehem. Sonderqualität (irgendwas) bzw. Festverbindung der Gruppe 0 bzw. der Gruppe 1.  Die zuführung ließe sich durchaus - wenn kurz genug- über eine simple Telefonleitung herstellen - es hängt von der Länge ab und wieviele "Teilnehmer" man brutalerweise gestört hätte. Auch die Kabeldicke, Verseilung etc. spielte ein Rolle (Richtungstrennung Fan/Fab).

Auf die Spitze trieb es mal ein Kunde, der sich drei einfache Stromwege (ohne jegliches Qualitätsversprechen) nahm und darüber 100 MBit gejagt hat. Haken: Die Kabelführung war in einem Fall ein Umweg (ging nicht anders) und das Störspektrum hat rundrum einiges „platt“ gemacht.

Du siehst: Gehen tut mit „2 Telefondrähtchen“ viel. Vornehmer machte man es aber mit den richtigen Standard. Dazu hatte UK und Deutschland genügend erfahre Übertragungstechniker, die wussten, was sie machten.

Insoweit kann ich deine Frage nicht ganz treffsicher beantworten, da a) nicht mein Kernfachgebiet) b) etwa „vor meiner Zeit“ abgelaufen ist und c) die Umstände dieser spezifischen Aufnahme erst einen Rückschluss auf die mögliche Vorarbeiten durch die Bundespost/den WDR zulassen. Für den deutschen  Teil (DBP, WDR) sowie für den internationalen Teil (vermutlich Seekabel über die Seekabelendgestelle in der Ecke D/NL – ich weiß zwar genau wo !!)  ließe sich einiges rekonstruieren.

Vermutlich war die Wembley-Übertragung einer vorher. vorübergehend festgeschaltete Verbindung ("schalte", keine gewählte Verbinung.

Interessant zu wissen wäre auch: Gab es ein TV-Signal ? Dies geht schon mal in zwei Weg: Ton- und Bild getrennt auf zwei Leitungswegen, oder Ton- neben der Bildübertragung (z.B. aufmoduliert) oder anderes.

Korrektur: F720 (digitales Zeitalter) erstetze vermutlich F.106/F.107 (z.B. Rules for phototelegraph calls established over circuits normally used for telephone traffic / Photographic Service)den  internationalen Dienstübergang.
Man sieht ziemlich deutlich die ständig "Shift"/Driftbewegung in den E/T/F-Serien. Dies deutet auf die immer stärken Umbrüche der späten 1970er Jahre hin, die sukzessive alte, anloge Techniken im Core abschnittsweise digitalisierte. Dazu gehören jede Menge "Withdrawel" (Rückzüge), "Superseding" ("Kraftlos machend"), Renamining, Dual-Numbering etc. Daran weitergehangelt kommt man irgendwo wieder zu einem "Urschleim", eine ist u.a die F1 (die ist mit May 1865 der Erbe der ältesten int. Telegraph Convention, wenn man schlank den Deutsch-Österreichen Telefgraphenverein ca. 1849..1866 außer Acht lässt).

Nationale Ausgestaltungen hinter den int. Gateway im  Grunde frei. Deutsche Bundespost Verhalten: Stets klar an CCITT/CCIR möglicht zu 99,x% übereinstimmung, sogut wie keine nat. Alleingänge im Ton /Rundfunkbereich. Außennahmen bildete der klassisch gewachsene Telefondienst, hier wichen die nat. Zeichengabe, die Anschaltung und die Terminal teils voneinander ab. Dies wurde erst mit Euro-ISDN beseitigt.

Immer bezogen auf die int. Gateway
Bei F-Standards (Telegramm/Telex) Stets weitestgehende Übereinstimmung, haarscharf an 100% ("die gute alte Zeit")
Bei X-Standards (Data Servie) 
Bei V-Standards ("Data ober Voice") touchierte das DEE die nat. Telefondienste, Versuche der Annährung z.B. im V.24 Standard oder dem V.90 Standard ("56k Modem").

Alles ohne Gewähr und auf die Schnelle...

Gruß
Wolfgang
« Letzte Änderung: 16. Mär. 2008, 10:10 von Manuel »

Offline Peschso

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1
Re: Mittelwelle: Fußball WM 1966 Finale Deutschland - England
« Antwort #2 am: 11. Jun. 2012, 19:39 »
Der Reporter war wie auch schon beim WM Finale 1954 Herbert Zimmermann (100%)!!!
Kurze zeit später starb er bei einem Autounfall.
Rudi Michel war der Reporter fürs TV.




Grüße
Sebastian

Offline Manuel

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 414
Re: Mittelwelle: Fußball WM 1966 Finale Deutschland - England
« Antwort #3 am: 13. Jun. 2012, 00:19 »
Hmmm... wenn man auf die Aussprache achtet, wie er das Wort "Tor" öfter sagt und auch sonst... stimmt, das ist tatsächlich Herbert Zimmermann. Ja Wahnsinn. Dann ist die Aufnahme gleich umso wertvoller für mich. :)

Danke und Gruß,
Manuel