Autor Thema: Bayern 2: IQ vom 26.02.2009: Kürzere Wellen für besseren Klang - 60 Jahre UKW  (Gelesen 5270 mal)

Offline Manuel

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Sender: Bayern 2
Sendung: IQ - Wissenschaft und Forschung
Datum: 26.02.2009
Sendezeit: 18:05 - 18:30 Uhr


Kürzere Wellen für besseren Klang
60 Jahre UKW-Radio

Vor 60 Jahren wurde aus einer Notlage heraus das UKW-Rundfunksystem in Deutschland entwickelt. Ein Glück für die Hörer: Denn UKW brachte ihnen viele Vorteile. Ein Feature von David Globig.

Probleme durch den Kopenhagener Wellenplan
Es sah nach einem herben Rückschlag für den deutschen Rundfunk aus, was im Sommer 1948 auf der Europäischen Wellenkonferenz in Kopenhagen beschlossen wurde: Als Folge des Weltkriegs mußte Deutschland auf seine besten Mittelwellen-Sendefrequenzen verzichten. Damit war klar, daß sich deutsche und ausländische Radiostationen in Zukunft gegenseitig stören würden. Man suchte deshalb fieberhaft nach einem Ausweg. Es wurde sogar darüber diskutiert, das Radioprogramm über Telefon- oder Stromleitungen zu übertragen. Schließlich fiel die Entscheidung, ein neues Rundfunksystem aufzubauen. Es sollte mit viel kürzeren Wellenlängen arbeiten als das Mittelwellen-Radio: mit ultrakurzen Wellen, also UKW.

UKW-Übertragungen hatten Physiker bereits in den 1920er Jahren ausprobiert. Und ab Mitte der 30er Jahre war die Technik für´s Fernsehen eingesetzt worden. Beim Radio bedeutete UKW allerdings immer noch Neuland.

Auf dem Weg zum ersten UKW-Sender
Gemeinsam mit dem damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk, dem NWDR, gehörte der Bayerische Rundfunk zu den Vorreitern auf diesem Gebiet. Im Januar 1949 erteilte der BR, damals noch unter dem Namen Radio München, der Firma Rohde & Schwarz den Auftrag, einen UKW-Sender zu bauen. Bereits wenige Wochen später war das Gerät fertig. Es kam nach München-Freimann, in eine kleine Holzbaracke direkt unterhalb eines riesigen Funkmasts. Mit dem NWDR, der ebenfalls schon einen Sender besaß, war verabredet worden, dass man am 1. März 1949 gleichzeitig den Betrieb starten würde. Doch es kam anders: Lothar Rohde sah die UKW-Entwicklung als eine Art sportlichen Wettstreit. Und da wollte er mit seiner Firma die Nase vorn haben. Tatsächlich gelang es ihm, den zuständigen Senderingenieur beim BR zu überreden, die Anlage einfach einen Tag früher als vereinbart einzuschalten. Und so nahm am 28. Februar 1949, einem Rosenmontag, der Bayerische Rundfunk um 16.30 Uhr den ersten Ultrakurzwellen-Sender Europas in Betrieb.

UKW - Hervorragender Klang und mehr

Deutschland wurde weltweit führend im Bereich UKW-Radio. Und auch für die Hörer entpuppte sich die Kopenhagener Wellenkonferenz im Nachhinein als Glücksfall. Der Druck, nach einer Alternative für die Mittelwelle suchen zu müssen, hatte ihnen ein hervorragendes, neues Rundfunksystem beschert. Für Störungssicherheit und Klangqualität bedeuteten die kürzeren Wellenlängen nämlich einen riesigen Fortschritt. Und mit UKW war noch einiges mehr möglich: Ab den 1960er Jahren z.B. Stereoempfang. Später kam die Autofahrer-Rundfunk-Information ARI hinzu. Heute lassen sich mit Hilfe von RDS sogar alle möglichen Daten parallel zum Radioprogramm übertragen. Damit ist die analoge Ultrakurzwelle ein Teil unserer digitalen Welt geworden. Allerdings wird die Digitalisierung wohl irgendwann auch das Ende von UKW bedeuten.

Autor: David Globig
Redaktion: Wolfgang Kasenbacher

Laufzeit: ca. 25 Minuten
« Letzte Änderung: 13. Jun. 2012, 00:30 von Manuel »