Autor Thema: Definitionen und Wissenswertes zum Rundfunk in Deutschland  (Gelesen 2308 mal)

Offline Manuel

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Hallo beisammen!

Was bedeutet eigentlich Rundfunk, was heißt das?
"Rundfunk" bezeichnet eigentlich die Übertragung von Informationen jeglicher Art (beispielsweise Bilder, Ton, Text) über elektromagnetische Wellen, wobei die Informationen für die Öffentlichkeit gedacht sind. Den Begriff "Rundfunk“ prägte der Radiopionier Hans Bredow im November 1919. Die Wortschöpfung geht auf das ursprüngliche Verfahren der drahtlosen Telegraphie zurück, die auch als Vorläufer der digitalen Übertragung angesehen werden kann.

Umgangssprachlich meint man mit Rundfunk meist den Hörfunk, was - rein juristisch - falsch ist. Das Fernsehen gehört auch dazu. Rundfunk schließt überdies alle Übertragungstechniken (analog oder digital) und die Übertragungsmedien (Satellit und Terrestrik) ein. So gehört neben analogem UKW-, Mittelwellen- oder Langwellen-Hörfunk der digital im DAB-Standard DAB oder über DRM verbreitete Hörfunk ebenso dazu wie terrestrisch digital verbreitetes Fernsehen DVB-T, oder im DMB-Standard oder über DVB-H verbreitete Multimediadienste, wenn sie meinungsrelevante Inhalte verbreiten. Eine Sonderform des Rundfunks ist das Internet-Radio und das Internet-Fernsehen, welche ihre Inhalte überwiegend nicht mittels elektromagnetischer Wellen verbreiten.

Die Bezeichnung Rundfunk bedeutet nicht, daß Rundfunksender stets über Antennen mit Rundstrahlcharakteristik verfügen, sondern lediglich die Verbreitung von Informationen über elektromagnetische Wellen. In allen Rundfunkbereichen - von der Langwelle bis zur Ultrakurzwelle - werden zur besseren Versorgung bestimmter Gebiete teilweise Richtstrahlantennen verwendet. Dies wird für die entsprechenden Standorte im Rahmen von Frequenzkoordinationen (wie sie in internationalen Abkommen, zum Beispiel dem Genfer Wellenplan definiert sind) festgelegt. Weiterhin gibt es Sendeanlagen, insbesondere im Langwellen- und Mittelwellenbereich, die zu bestimmten Zeiten (meist tagsüber) mit Rundstrahl- und nachts mit Richtstrahlantenne arbeiten.

Gesetzliche Grundlagen
Die wichtigste gesetzliche Grundlage ist der zwischen allen deutschen Bundesländern geschlossene Rundfunkstaatsvertrag. Die Rundfunk-Urteile des Bundesverfassungsgerichtes prägten und konkretisierten die rundfunkrechtlichen Grundsätze entscheidend.

Wir haben ein sog. "Duales Rundfunksystem", d.h. es gibt zum einen den "öffentlich-rechtlichen Runfunk" sowie auf der anderen Seite die privaten Anbieter. Hinzu kommt noch der "Nichtkommerzielle Lokalfunk", den die Landesmediengesetze unterschiedlich eigenständig bewerten. Aufsichtsbehörden und für die Frequenzvergabe und Lizenzierung zuständig sind für private und nichtkommerzielle Anbieter der einzelnen Bundesländer die Landesmedienanstalten (LMAs).

Weiterhin senden Rundfunksender für die Versorgung der alliierten Streitkräfte (AFN und BFBS). Sowohl der AFN als auch der BFBS senden nur auf Englisch und können in vielen Teilen Deutschlands empfangen werden (AFN nachts in ganz Deutschland auf der Mittelwellen-Frequenz 873 kHz). Auch einige Auslandsdienste senden von Deutschland, z.B. Radio Free Europe/Radio Liberty auf Kurzwelle in Lampertheim und Biblis, die Voice of America (VoA) in Ismaning bei München und die Stimme Russlands in Wachenbrunn. Daneben sendet seit 1955 der französischsprachige Sender Europe 1 sein kommerzielles Programm auf der Langwellen-Frequenz 183 kHz vom Standort Felsberg-Berus mit einer Leistung von 2.000 Kilowatt nach Frankreich. Dieser Sender ist der älteste private Rundfunksender in Deutschland und verdankt seine Entstehung dem besonderen Statut des Saarlands in den 50er Jahren. Ein weiterer Sender ist der Evangeliumsrundfunk (ERF) mit Sitz in Wetzlar. Im Falle der Sender der alliierten Streitkräfte und der von Deutschland aus sendenden Auslandsdienste beschränkt sich die Zuständigkeit der deutschen Behörden auf rein technische Angelegenheiten, wie die Zuteilung der Sendefrequenz.

Der Sendebetrieb
Der Sendebetrieb der Landesrundfunkanstalten in den alten Bundesländern erfolgt im Regelfall von Anlagen, die den Landesrundfunkanstalten gehören, während er in den neuen Bundesländern im Regelfall von Anlagen der Deutschen Telekom AG aus geht. Die Programme von ZDF, Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur strahlen bundesweit zum größten Teil Anlagen der Deutschen Telekom AG ab. AFN und BFBS benutzen teilweise Anlagen der Deutschen Telekom AG zur Verbreitung ihrer Programme, teilweise betreiben sie auch ihre eigenen Sender. Radio Free Europe/Radio Liberty und die Voice of America haben ihre Anlagen im Eigenbetrieb, während die Stimme Russlands auf Anlagen der Deutschen Telekom AG zurückgreift. Der Privatsender Europe 1 betreibt seinen Sender in Felsberg-Berus in Eigenregie, während alle anderen privaten Rundfunksender in Deutschland Anlagen der Deutschen Telekom AG oder der Landesrundfunkanstalten zur Verbreitung ihrer Programme nutzen.

Rundfunksender müssen, um sich nicht zu stören, die ihnen zugeteilte Sendefrequenz mit hoher Genauigkeit einhalten. Sie können deshalb als Eichfrequenz benutzt werden. Manche Hochleistungssender - insbesondere im Langwellenbereich - leiten ihre Sendefrequenz sogar von einer Atomuhr ab, um eine ultrakonstante Trägerfrequenz zu bekommen, was diese Sender zu leicht nutzbaren ultragenauen Eichfrequenzquellen macht. Daneben können Rundfunksender auch zur Untersuchung der Ionosphäre eingesetzt werden. So misst das geophysikalische Observatorium in Collm mit Hilfe der Signalstärke von Langwellenrundfunksendern die Windgeschwindigkeit in der Hochatmosphäre.
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Viele Grüße,
Manuel