Autor Thema: ORF in Not!  (Gelesen 3177 mal)

Offline Soundy

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 172
ORF in Not!
« am: 28. Nov. 2008, 11:33 »
Der Österreichische Rundfunk hat Probleme, wie im nachfolgenden Zeitungsartikel zu lesen ist.


ORF will 1000 Angestellte weniger bis 2012

27.11.2008 | 19:06 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Tausend Mitarbeiter sollen gehen. Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Sonst droht Insolvenz". Quoten und Werbeeinnahmen sinken, teures und zu viel Personal: Das Problem ist hausgemacht.

Dem ORF droht der komplette Zusammenbruch.
Das sagt nicht ein Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: „Werden nicht einschneidende Maßnahmen gesetzt, wäre die Folge eine Insolvenz des Unternehmens und die Zerschlagung in Einzelteile. Und da stehen schon nationale und internationale Investoren bereit, sich den einen oder anderen Teil einzuverleiben.“ Die 100 Millionen Euro minus, die der ORF heuer einfahren wird, sind nur der Anfang.

Am Donnerstag wartete Wrabetz mit einer weiteren Hiobsbotschaft auf: 700 Jobs sollen gestrichen, weitere 300 ausgelagert werden. Noch ist das ein Wunschprogramm. Der Betriebsrat zeigte am Donnerstag vor der ersten Gehaltsverhandlung Härte: Weil Wrabetz zu spät erschien, wurde ihm das Gespräch verweigert. Fest steht: Der ORF ist nicht mit ein paar läppischen Sparmaßnahmen zu retten. Er hat ein handfestes, selbst gemachtes Strukturproblem.

Das Worst-Case-Szenario.
Ohne weitere Maßnahmen würde der ORF laut Wrabetz in den kommenden Jahren ein Minus zwischen 70 und 100 Millionen Euro schreiben, hätte Ende 2012 sein Eigenkapital komplett verspielt. Immer wieder wird vor diesem Hintergrund sogar eine Teilprivatisierung als möglich erachtet, die mit dem Willen der Politik auch ohne Gesetzesänderung möglich wäre. Zur Disposition stehen in diesen Szenarien stets ORF1 und Ö3.

Träge wie die Verstaatlichten.
Ähnlich wie in Fällen der früheren verstaatlichten Industrie lebt der ORF in einer Welt der Privilegien, ist zu einem aufgeblähten Apparat aufgepäppelt worden. Als Monopolist auf dem Werbemarkt unangefochten, konnte er Bedingungen und Preise bestimmen – bei Bedarf wurden die Gebühren erhöht (zuletzt im Sommer 2008). Mittlerweile können 80 Prozent der Haushalte die Programm- und Werbefenster der deutschen Privatsender empfangen, der Marktanteil des ORF ist auf 40 Prozent zurückgegangen. Fazit: Der ORF musste seine Werbepreise um 15 Prozent senken.

Viel zu teures Personal.
Die Pro-Kopf-Gehälter liegen laut Wrabetz „deutlich über dem Markt“, das sei „eklatant bei denen, die länger dabei sind, aber auch beim Kollektivvertrag 2003“. Je Vollzeitkraft gibt der ORF 118.450 Euro im Jahr aus, abzüglich ca. 30 Prozent Lohnnebenkosten macht dies 83.000 Euro – im Durchschnitt. Größter finanzieller Sündenfall war die Anstellung von 1247 freien Mitarbeitern im Jahr 2003.

Aufgebläht wie ein Supertanker.
In den fetten Jahren hat sich Ballast angesammelt, der teuer kommt. Z.B. auf Pro-forma-Posten abgeschobene „weiße Elefanten“, die – aufgrund der politischen Farbenlehre – auf ihrem ursprünglichen Job anderen Platz machen mussten; dazu kommen eine teure, zeitweise nicht eingesetzte Technik, Mehrgleisigkeiten in der Organisation oder auch die Landesstudios, über die die Landeshauptmänner die Hand halten.

Von der Politik behindert.
Die Politik erweist sich als Hemmschuh. Die Parteien haben im Stiftungsrat und über Direktkontakte das Sagen. Das führt zu politisch motivierten Personalbesetzungen. Zugleich verlangt die neue Regierung vom ORF in ihrem Regierungsprogramm, er solle erst „die finanzielle Basis nachhaltig sichern“ – bevor über eine weitere Unterstützung des Öffentlich-Rechtlichen durch die öffentliche Hand nachgedacht wird (Stichwort: Gebührenrefundierung).

Teurer Standort Küniglberg.
Das ORF-Zentrum auf dem Küniglberg (erbaut: 1968 bis 1975) ist nicht mehr adäquat, steht unter Denkmalschutz: Ein Umbau wäre also schwierig. Wrabetz will den ORF daher „auf der grünen Wiese neu erfinden“ und dadurch Synergien nutzen. Auch von den Studios auf dem Rosenhügel hat man sich bereits so gut wie verabschiedet.

Quelle: "Die Presse", 28.11.2008 http://diepresse.com/home/kultur/medien/433503/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

Frage an das Forum: Ist das in Deutschland auch so arg oder nur bei uns in Österreich?

Soundy


Offline Manuel

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 414
Re: ORF in Not!
« Antwort #1 am: 28. Nov. 2008, 17:02 »
Hallo Soundy,

teilweise ist es in Deutschland auch so, zumindest, was die mangelnde Flexibilität angeht und der "Wasserkopf" in der Verwaltung und in den Gremien. So gingen viele erfolgsversprechende TV-Formate an die "privaten" Sender.

Aber bei uns ist alles etwas komplizierter in der Struktur. So fängt es schon mal damit an, daß es zwei öffentlich-rechtliche TV-Anstalten gibt: Die ARD und das ZDF. Die ARD ist, zugespitzt formuliert, ein zerstrittener Haufen bestehend aus 9 Landesrundfunkanstalten. Die stehen sich manchmal selbst im Weg. Das "Erste" Programm ist eine Gemeinschaftsproduktion aller dieser einzelnen Anstalten. Die "Dritten" Programme sind, je nachdem, in welchem Bundesland man wohnt, regional unterschiedlich. In Bayern gibt´s das Bayerische Fernsehen, in Hessen das Hessische Fernsehen usw. Den einen geht´s etwas besser finanziell, vor allem den Anstalten der flächenmäßig größeren Bundesländer. Die kleinen "Zwergsender" wie Radio Bremen, Saarländischer Rundfunk usw. arbeiten sehr viel mit benachbarten, größeren Anstalten zusammen.

Das ZDF (2. deutsches Fernsehen) ist eigenständig, wenn man so will. Es gibt natürlich immer wieder mal eine Zusammenarbeit mit der ARD, aber eigentlich sind das immer erbitterte Konkurrenten gewesen und sind es wahrscheinlich immer noch. Mittlerweile hält man eben stärker zusammen, um gegen die privaten Fernsehprogramme bestehen zu können.

Am 1. Januar 1984 wurde das Privatfernsehen in Deutschland eingeführt und nach ein paar Jahren sanken eben bei den gebührenfinanzierten ARD und ZDF langsam, aber sicher, die Einschaltquoten. Die "Privaten" wie RTL, SAT 1 usw. waren frischer, frecher, wagemutiger und brachten neuen Wind in die heimischen Wohnzimmer, wenn auch das Qualitätsniveau stark gesunken ist und die nervtötende Reklame-Unterbrechungen sind mittlerweile so schlimm, daß man schon sagen kann, daß zwischen den Werbepausen es ein bißchen Programm gibt, und sogar dann muß man mit Reklameeinblendungen am Bildschirmrand rechnen.

Daß die ARD und das ZDF zu wenig Geld haben und sparen müssen, das höre ich auch schon, seit ich ein kleiner Bub bin.
Im Gegensatz zum ORF, gibt es bei ARD und ZDF ein Werbeverbot nach 20:15 Uhr, das aber natürlich immer mehr unterwandert wurde doch Trailer á la "Diese Sendung wird ihnen präsentiert von xyz...". Die privaten Anbieter hingegen machen rund um die Uhr Reklame.

Inwiefern die Politik Einfluß in den Senderanstalten nimmt, kann ich nur vermuten. Mich würde es z.B. nicht wundern, wenn im Bayerischen Rundfunk die CSU zumindest ein kleines Wörtchen mitzureden hätte. Aber, wie gesagt, das ist jetzt nur reine Spekulation von mir. Die TV-Macher sind schon unabhängig, was viele CSU-kritische BR-Produktionen beweisen.

Irgendwelche Stiftungsräte gibt es in Deutschland auch nicht.

Kurz und gut: So arg wie in Österreich, ist es in Deutschland definitiv nicht, aber man sollte eben auch bedenken, daß die Medienstrukturen in DL anders sind und es somit niemals zu einem "kompletten Zusammenbruch" kommen könnte.

Gruß,
Manuel

Offline Soundy

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 172
Re: ORF in Not!
« Antwort #2 am: 30. Mär. 2009, 17:14 »
Manifest: Rettet den ORF!

Österreichs unabhängige Zeitungen und die Plattform "Rettet den ORF" wollen die Zukunft des heimischen Rundfunk sichern.


Österreich droht eine gesellschaftspolitische Katastrophe: Der ORF ist ein Sanierungsfall und wie noch nie zuvor in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Der Untergang des öffentlich-rechtlichen ORF, etwa in Form seiner Zertrümmerung und Privatisierung, wäre nicht wiedergutzumachen.

Der ORF ist eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Institutionen Österreichs. Er ist ein unersetzlicher Partner für Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Sport. Er ist eines der wenigen Medien österreichischer Identität, kaum ein anderes kann seine Aufgaben übernehmen. Er ist der unverzichtbare Partner der österreichischen Filmindustrie und fast aller Sparten des Kulturlebens. Er ist eines der wenigen Massenmedien, die nicht nur eine nationale, sondern auch eine übernationale Rolle spielen. Zumindest sollte er das alles sein und tun. Dies ist der öffentlich-rechtliche Auftrag.

Die Hauptursachen des ruinösen Zustandes sind: Führungsposten wurden und werden nach parteipolitischen und nicht nach fachlichen Gesichtspunkten besetzt. Dadurch wurde und wird eines der komplexesten Unternehmen vielfach von heillos überforderten Leuten geführt. Aus dem gleichen Grund fehlt es auch in den Aufsichtsgremien an fachlicher Kompetenz. Hätten sie ihrer gesetzlichen Aufgabe entsprochen (z.B. bei der Anstellung von 1400 Mitarbeitern), wäre ein betriebswirtschaftlicher Unsinn zu verhindern gewesen. Der Betriebsrat verteidigt den gegenwärtigen Zustand.

Der ORF ist von innen nicht mehr sanierbar. Nur ein neues Gesetz mit radikalen Personal- und Strukturmaßnahmen kann seine Zukunft sichern. Die große Koalition plant ein neues Gesetz. Jedoch retten den ORF nicht kosmetische "Reformen" mit neuen Leuten, die es wiederum nicht können. Es bedarf faktisch einer Neugründung, die dem legendären Rundfunkvolksbegehren der unabhängigen Presse Österreichs entspricht, das in den 60er Jahren nach dem Vorbild der britischen BBC den öffentlich-rechtlichen ORF schuf.

Die wichtigsten Inhalte des erforderlichen Gesetzes sollten sein:

- Rückzug von Regierungen und Parteien aus den personellen, strukturellen und finanziellen Entscheidungen des Unternehmens.

- Entparteipolitisierung und deutliche Verkleinerung des Stiftungsrates, um ihn arbeitsfähig zu machen. Der Stiftungsrat ist nur mit ausgewiesenen, erfahrenen Fachleuten der Medienbranche zu besetzen. Der Publikumsrat ist verzichtbar oder in ein Gremium gesellschaftspolitischer Repräsentanz umzuwandeln.

- Der öffentlich-rechtliche Auftrag ist zwingend und im Detail festzulegen.

- Alle nicht zum Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zählenden Aufgaben soll der ORF von kommerziellen Dritten besorgen lassen; Auslagerung allein erbringt nicht die notwendige Produktivität.

- Neue Kollektivverträge, die den ORF konkurrenzfähig machen.

- Einsparung von Direktionen und Hauptabteilungen.

– Rückführung des Personalstandes auf höchstens den Stand vor dem Massenengagement.

- Alle Struktur- und Personalmaßnahmen treffen selbstverständlich auch auf die Landesstudios zu.

Der ORF muss gesundschrumpfen, um zu überleben.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird im Ausland vorwiegend durch Gebühren und nicht durch Werbung finanziert.

Die Werbung mit ihrem Quotendruck widerspricht vom Prinzip her öffentlich-rechtlichem Selbstverständnis und verwischt die Unterscheidung von kommerziellen Programmen. Würden Bund und Länder für den ORF einen ähnlichen Aufwand erbringen wie für Theater, Opernhäuser usw., so müssten sie nur auf jenes Drittel an ORF-Gebühren verzichten, das sie bekanntlich kassieren. Die Gebührenbefreiungen sind jedenfalls vom Bund dem ORF zu ersetzen. Eine Reduzierung der Werbung wäre mit den geschilderten Maßnahmen möglich. Die kommerziellen Sender würden von dieser Maßnahme profitieren.

Die Plattform „Rettet den ORF!“ fordert Regierung und Parteien auf, die Unabhängigkeit des ORF besonders in personalpolitischer Hinsicht zu respektieren. Bund und Länder gehen mit dem ORF um, als gehörte er ihnen.

Die interessierte Öffentlichkeit liest von personellen Vorstellungen der großen Koalition, eine neue parteiengenehme Führung zu installieren, deren fachliche Qualifikation keinesfalls den notwendigen Anforderungen entspricht. Es gibt aber in- und außerhalb des ORF geeignete Führungspersönlichkeiten.

Die Plattform ist jederzeit zu fachlichen Gesprächen über ein Sanierungsgesetz bereit. Sie wird demnächst die Eckpunkte eines neuen Rundfunkgesetzes veröffentlichen. Die Plattform vertritt keine persönlichen oder parteipolitischen Interessen, besteht aus unabhängigen Fachleuten und ist überparteilich zusammengesetzt.

Diese Aktion möchte Österreich die Schande einer medialen Zukunft ersparen, wie sie in postkommunistischen Staaten oder im Berlusconi-Italien herrscht.

Eine Aktion unabhängiger Zeitungen und der Plattform "Rettet den ORF!" Kurier, Der Standard, Die Presse,
Wirtschaftsblatt, Kleine Zeitung, Oberösterreichische Nachrichten, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten, Falter, Die Furche.

Rettet den ORF: Die Proponenten


Eine Aktion unabhängiger Zeitungen und der Plattform „Rettet den ORF!“
Kurier, Der Standard, Die Presse, Wirtschaftsblatt, Kleine Zeitung, Oberösterreichische Nachrichten, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten, Falter, Die Furche.

Hugo Portisch, Journalist und Autor, Erfinder des Rundfunkvolksbegehrens;
Gerd Bacher, Journalist;
Kurt Bergmann, Journalist;
Trautl Brandstaller, Journalistin und Schriftstellerin;
Andrea Breth, Regisseurin;
Barbara Coudenhove-Kalergi, Journalistin;
Alfreda Fiala, Medienmanagerin;
Hubert Gaisbauer, Mitbegründer von Ö3 und Ö1;
Brigitte Hamann, Historikerin;
Andre Heller, Künstler;
Peter Huemer, Journalist und Historiker;
Gerhard Jagschitz, Historiker;
Udo Jesionek, Präsident a.D. des Jugendgerichtshofes;
Jochen Jung, Verleger;
Heinrich Keller, Jurist;
Wolfgang Kos, Historiker;
Johannes Kunz, ORF-Informationsdirektor a.D.;
Wolfgang R. Langenbucher, Kommunikationswissenschaftler;
Konrad Paul Liessmann, Philosoph;
Robert Menasse, Schriftsteller;
Alfred Noll, Rechtsanwalt;
Elisabeth Orth, Schauspielerin;
Alfred Payrleitner, Journalist und Schriftsteller;
Anton Pelinka, Politikwissenschaftler;
Peter Radel, Jurist, kaufmännischer Direktor ORF a.D.;
Helga Rabl-Stadler, Präsidentin Salzburger Festspiele;
Bernd Schilcher, Rechtswissenschaftler, Schulexperte;
Paul Schulmeister, Journalist;
Franz Schuh, Schriftsteller;
Gerhard Vogl, Journalist;

Artikel vom 30.03.2009 16:51 | KURIER | MH

Quelle: http://www.kurier.at/kultur/307117.php

Soundy


Offline Soundy

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 172
Re: ORF in Not!
« Antwort #3 am: 02. Apr. 2009, 21:35 »
Das "Szenario 4" sieht Radikalmaßnahmen wie die Auflösung des RSO vor, ein Sparpotenzial von bis zu 66 Mio. Euro soll erreicht werden.

ORF–Stiftungsrat Der ORF–Stiftungsrat beschloss "sofortige Einsparungsmaßnahmen" einzuleiten.

Gegen die Stimmen des ORF-Betriebsrats hat der Stiftungsrat am Donnerstag über alle "Freundeskreis"-Grenzen hinweg eine Resolution für die sofortige Umsetzung von Sparmaßnahmen verabschiedet. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wird darin auffordert, "sofortige Einsparungsmaßnahmen mit dem Ziel eines bereits im Jahr 2010 ausgeglichenen Konzern-EGT einzuleiten". Weiters muss er "ein Gesamtkonzept für sinnvolle Ausgliederungen sowie das geplante Immobilienkonzept" raschestmöglich vorlegen.


Die Resolution wurde von den Leitern des roten und schwarzen "Freundeskreises", Karl Krammer und Franz Medwenitsch, vorgelegt. Der Generaldirektor werde mit der am Donnerstag - mit Ausnahme der Betriebsräte - einstimmig beschlossenen Resolution verstärktem Druck zum Handeln ausgesetzt, so Medwenitsch. Für Krammer ist die Resolution "ein ganz wichtiges Signal, dass der ORF aus sich heraus Maßnahmen setzen kann".

Wrabetz hat dem Stiftungsrat im Plenum ein Szenario präsentiert, wie der ORF ohne zusätzliche Mittel aus der Politik auskommen und trotzdem nicht in die roten Zahlen schlittern könnte. Dieses sogenannte "Szenario 4" würde zusätzliche Maßnahmen wie etwa die Auflösung des Radio-Symphonieorchesters, die Minimierung von Sport-und Eigenproduktionen, die Streichung des Kinder-Kaufprogramms sowie eine Nulllohnrunde 2010 vorsehen.

Weiters sollen in diesem theoretischen Szenario möglichst viele vorhandene Verträge in Richtung des Kollektivvertrags 2003 korrigiert werden. Im Jahr 2010 könnten durch diese - zusätzlich zu den bereits bekannten - Kürzungen beim Personal und den Programm- sowie Rechtekosten mehr als 42 Millionen Euro eingespart werden. Im Jahr 2013 käme man auf ein zusätzliches Sparpotenzial von knapp 66 Millionen Euro.

Unter der Voraussetzung, dass Werbung und Finanzerträge sich nicht erholen, würde das EGT (Gewinn vor Steuer) des ORF-Konzerns im nächsten Jahr mit diesen strikten Kürzungen minus 16,5 Millionen Euro betragen. Im Jahr 2013 käme das Unternehmen auf plus 14,6 Millionen Euro. Der Finanzausschuss des Stiftungsrates hatte am Montag von Wrabetz die Vorlage eines Szenarios ohne zusätzliche Gelder seitens der Politik verlangt.

Dieses müsse nun noch weiter ausgearbeitet werden, sagte der Leiter des ÖVP-"Freundeskreises", Franz Medwenitsch. Ende April werde es eine Sondersitzung des Finanzausschusses geben, in der die neuen Vorschläge von Wrabetz besprochen werden sollen.

Laut Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser handelt es sich bei den Gedankenspielen des "Szenario 4" um "Plakate und Überschriften", nichts davon sei mit den Belegschaftsvertretern besprochen. Diese haben ohnehin ihre Verhandlungen mit der Geschäftsführung unterbrochen, weil sie erst Klarheit über deren Zukunft und den Verbleib haben möchte. "Wir erwarten uns vom Stiftungsrat ein klares Bekenntnis zu dieser Geschäftsführung", so Moser. Ob und wann die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, werde der ZBR in einer Versammlung in den nächsten Tagen entscheiden, so Moser.

Artikel vom 02.04.2009 17:18 | apa | hopa

Quelle: http://www.kurier.at/kultur/308071.php

Soundy