Autor Thema: Die Zukunft des ORF  (Gelesen 2020 mal)

Offline Soundy

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Die Zukunft des ORF
« am: 17. Sep. 2009, 14:58 »
ORF-Enquete: "Hollywood raus, Österreich rein"

Die Zukunft des ORF ist heute Gegenstand einer Enquete im Parlament. Politiker, Medienvertreter, Experten sowie ein Repräsentant der EU-Kommission diskutieren darüber, ob die Finanzierung und die Größe des Senders noch zeitgerecht sind und wie man Qualität und Quote vereinbaren kann. Ansagen zu Details des neuen ORF-Gesetzes, das bis 19. Dezember stehen soll, blieben bis jetzt aus.

ORF1 ist kein öffentlich-rechtlicher Sender

Zum Abschluss des Vormittags sprachen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, VÖZ-Präsident Horst Pirker und Christian Stögmüller, Präsident des Verbundes österreichischer Privatsender.

Für den ORF-Generaldirektor müsse der Sender "die starke Stimme Österreichs in einer fragmentierten digitalisierten Welt" bleiben. Als Konkurrenten sieht Wrabetz nicht die österreichischen Privatsender ATV und Puls4, sondern vor allem die großen deutschen Medienkonzerne. Er fordert weder eine Lockerung der Werberegelungen, noch eine Gebührenerhöhung, aber eine Gebührenrefundierung. Der ORF könne nur dual finanziert werden und um den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen, brauche man "mindestens zwei Vollprogramme".

VÖZ-Präsident Horst Pirker hält die Gebührenfinanzierung des ORF prinzipiell für gerechtfertigt, aber nur, wenn der ORF seinen Auftrag erfülle. Bei ORF1 und Ö3 sei dies nicht der Fall, so Pirker.

Dass das Programm von ORF1 dem eines Privatsender zu sehr ähnle, kritisierte auch Stögmüller. "Hollywood raus, Österreich rein", fordert er. Der ORF mache den Privaten alles streitig, befinde sich in einer "Geiselhaft der Quote", er solle unabhängiger vom Quotendruck gemacht werden. Nicht die Quote, sondern der öffentlich-rechtliche Auftrag solle im Mittelpunkt stehen.

SPÖ: Für Dualität

In der Politik herrschte zuvor Uneinigkeit über die Frage der Finanzierung. FPÖ und BZÖ wollen die Gebühren abschaffen, die ÖVP möchte den ORF hingegen langfristig werbefrei sehen. SPÖ sowie Grüne halten den Status quo für die sinnvollste Variante. Im ersten Themenblock gaben die Parlamentsparteien grundsätzliche Statements ab.

"Wir wollen nicht, dass Österreich eine deutsche Medienkolonie wird", sagte SPÖ-Mediensprecher Josef Cap. Er bekannte sich zur Dualität, allerdings nicht zum Nachteil des ORF: "Private ja - aber nicht den ORF privatisieren", so Cap. Wenn man den ORF auf einen Verkündigungssender ohne Unterhaltung reduzieren wolle, dann könne man ihn gleich schließen.

Die FPÖ wünscht sich, dass der ORF österreichischer werden soll: FPÖ-Mediensprecher Harald Vilimsky nutzte einen Teil seiner Redezeit, um das Fernsehprogramm von ORF1 vorzulesen. Die Rundfunkgebühren sollen durch eine Medienförderung ersetzt werden - die dann jeder, der öffentlich-rechtliche Inhalte zeigt, bekommen kann, so Vilimsky.

BZÖ: ORF1 privatisieren

BZÖ-Mediensprecher Stefan Petzner stellte ein anderes Modell vor: Das BZÖ würde Gebühren abschaffen, ORF1 privatisieren und mit dem lukrierten Geld ORF2 zu einem "starken" öffentlich-rechtlichen Sender machen. Besonderes Anliegen sind Petzner die Landesstudios: Für diese würde er die Werbebestimmungen lockern.

Dieter Brosz, Mediensprecher der Grünen, lobte die redaktionelle Unabhängigkeit, die der ORF in den vergangenen zwei Jahren gewonnen habe. Die kritische Berichterstattung mache auch vor dem eigenen Haus nicht halt. Kritik gab es für Bund und Länder, die an den Rundfunkgebühren mitkassieren, sowie am parteipolitischen Einfluss in den ORF-Gremien.

Ostermayer: ORF "möglichst populär"


Für Medien-Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) soll der ORF "möglichst populär" sein: "Es muss Sendungen für Minderheiten geben und es muss Sendungen für Mehrheiten geben". Für das ORF-Gesetz kündigt Ostermayer eine klare Festlegung zum Online-Auftrag an. Er betonte einmal mehr, es müsse eine Refundierung der Gebührenbefreiungen geben - gekoppelt an die Forderung nach mehr österreichischen Inhalten und Film im ORF.

ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf bekannte sich in seiner Rede ebenso wie Staatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP), zum dualen System mit einem "starken, unabhängigen ORF, den wir nicht infrage stellen wollen" sowie mit "starken und noch zu stärkenden Privatsendern".

ORF muss mobile Nutzung ermöglichen

Neue Medien sind beherrschendes Thema des zweiten Themenblocks, in dem die Zukunftsschancen des öffentliche-rechtlichen Rundfunks aus europäischer Sicht behandelt wurden: Inhalte für das Internet und für die mobile Nutzung bereitzustellen sei Grundaufgabe eines öffentlich-rechtlichen Anbieters, meint Jane Vizard von der Europäischen Rundfunkunion (EBU).

Generalisten-Programme würden aber weiterhin das Rückgrat der Medienlandschaft bilden, so Daniel Eckmann, stellvertretender Generaldirektor des Schweizer Fernsehens. Auch ZDF-Intendant Markus Schächter plädiert dafür, dem ORF jene Chancen einzuräumen, die er braucht: Es wäre "außerordentlich fatal", wenn ORF nicht als "einer der Leuchttürme in der medialen Flut" erhalten bleibe.

(APA/her)

Quelle und andere Berichte zu diesem Thema:
 http://diepresse.com/home/kultur/medien/508269/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

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