Autor Thema: Österreich: Privatradios gegen UKW-Ausstieg und DAB+-Umstieg  (Gelesen 1545 mal)

Offline Soundy

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Privatradios gegen UKW-Ausstieg und DAB+-Umstieg

Österreichs Privatradios lehnen einen Ausstieg aus der analogen Verbreitung via UKW und einen Umstieg auf den digitalen Standard DAB+ ab. Dies erklärten Vertreter der Sendeanstalten am Dienstagnachmittag bei einer Versammlung der Arbeitsgemeinschaft "Digitale Plattform Austria" in Wien. Marcel Regnotto von der Schweizer Medienbehörde BAKOM hatte bei dem Treffen über UKW- Abschaltpläne in der Schweiz berichtet.

In der Schweiz überlegen demnach die öffentlich-rechtliche SRG sowie die Privatradios die Abschaltung ihrer UKW-Sender bis 2024. Bis 2019 sollen bereits möglichst alle Schweizer Radios im Parallelbetrieb auf die digitale Verbreitung via DAB+ umgestellt sein. Mit 1,7 Millionen verkauften DAB+- Empfangsgeräten gehöre das Land schon jetzt zu den Spitzenreitern beim Digital-Radio, berichtete Regnotto. SRG und Privatradios seien sich darin einig, dass der Migrationsprozess bis zum Jahr 2024 abgeschlossen ist.

UKW-Abschaltung in Österreich kein Thema

In Österreich ist eine UKW-Abschaltung laut Digitalisierungskonzept 2015 der Medienbehörde KommAustria kein Thema. Der Umstand, dass Regnottos Vortrag "Der Weg zur Abschaltung des analogen Radios in der Schweiz" bei der Versammlung der "Digitalen Plattform Austria" das einzige Referat zum Thema Radio war, irritierte die anwesenden Radiomacher dennoch.

"Hörer muss Entscheidungsfreiheit haben"

"Ein Szenario, das die Abschaltung von UKW beinhaltet, ist aus unserer Sicht noch für einige Zeit undenkbar. Das würde die wirtschaftlichen Grundlagen kommerzieller Radios zerstören", sagte Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands der Österreichischen Privatsender. "Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft des Radios in hybriden Mulitplattformen liegt, egal ob terrestrisch über DAB+ oder UKW oder via Internet. Der Hörer muss dabei Entscheidungsfreiheit haben", so Drumm.

Darüber hinaus wäre der Umstieg von UKW auf reine digitale Verbreitung "mit enormen Reichweitenverlusten verbunden", so Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda. "Die digitale Nutzung unserer Audio-Angebote beträgt nur vier Prozent unserer Gesamtnutzung. Die Leute hören zu über 95 Prozent analog über UKW Radio. Es ist ganz klar, dass jedes Abschaltszenario eine massive Bedrohung unseres Geschäftskonzepts ist."

Quelle: http://www.krone.at/Digital/Privatradios_gegen_UKW-Ausstieg_und_DAB-Umstieg-Kein_Thema-Story-436649

Soundy

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Re: Österreich: Privatradios gegen UKW-Ausstieg und DAB+-Umstieg
« Antwort #1 am: 24. Mär. 2015, 14:48 »
Digitalradio: ORF und Kronehit nehmen nicht an Testbetrieb teil

Der Testbetrieb für den Übertragungsstandard DAB+ wird auf Mai verschoben. Statt 14 sind nur noch 12 Sender dabei. Der ORF verzichtet "aus rechtlichen Gründen".

24.03.2015 | 12:30 |   (APA)

Der ORF nimmt nicht am Digitalradio-Testbetrieb in Wien teil. Dies erklärte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in einem Brief an Gernot Fischer, Geschäftsführer des Verein Digitalrado Österreich. Der ORF verzichtet demnach "aus rechtlichen Gründen" auf den ursprünglich für April angesetzten Testbetrieb. Zuvor hatte bereits der Privatsender Kronehit seine Teilnahme an dem DAB+-Projekt abgesagt.

Ziel eines Testbetriebes sei die Erprobung "programmlicher Entwicklungen", verwies ORF-Chef Wrabetz auf das Privatradio-Gesetz. "Daher kommt für den ORF nur die Teilnahme mit einem eigenen Programm in Frage", so Wrabetz. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte für den Testbetrieb im Großraum Wien ein neues, etwas jüngeres Radioformat mit dem Titel "Ö3 Visual" geplant. Die Medienbehörde KommAustria hat die Veranstaltung eines weiteren, auch bloß online verbreiteten Programms jedoch für unzulässig erklärt.

"Diese Rechtsansicht, die wir nicht teilen, derzeit aber zur Kenntnis nehmen müssen, schließt die Teilnahme am DAB+-Testbetrieb auf Basis eines nach ORF-Gesetz veranstalteten Webradios aus", erklärte der ORF-General. "Dies ist auch deswegen bedauerlich, weil dem Entwurf der KommAustria für das Digitalisierungskonzept 2015 zu Folge die Ergebnisse des Testbetriebs Grundlage der offensichtlich geplanten Ausschreibung von digitalem terrestrischem Hörfunk im Standard DAB+ sein sollen."

Kronehit-Chef: "Mir ist UKW zu wichtig"

Damit nehmen die beiden größten Player am heimischen Radiomarkt vorerst nicht am Testbetrieb teil. Kronehit hatte bereits am Montag wegen Bedenken gegen die geplante Vermarktung des Projekts den Ausstieg verkündet. Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda sieht den Verein Digitales Radio von der Elektronikbranche getrieben, das Marketingkonzept für den Test zeige eine Grundtendenz gegen UKW. "Mir ist UKW zu wichtig", als dass er sich die Gattung Radio mit einem Pilotversuch "demolieren" lasse, "damit man 100.000 DAB+-Empfangsgeräte verkauft", sagte Swoboda.

Beim Verein Digitalradio Österreich will man sich von den Absagen unterdessen nicht entmutigen lassen. "Wir werden weiter tun und nicht das Handtuch werfen", sagte Geschäftsführer Fischer gegenüber der APA. "Ich gehe von mindestens 12 Programmen aus, sonst wären es 14 gewesen." Der Start des Testbetriebs dürfte sich dabei etwas in den Mai hinein verschieben.

Die Kritik von Kronehit-Chef Swoboda wies Fischer zurück. Das Marketingkonzept für das DAB+-Projekt sei "überhaupt nicht" UKW-feindlich. "Niemand hier würde die Gattung UKW-Radio angreifen wollen." Das Vorgehen von Kronehit sei deshalb auch "kein schöner Zug". Fischer vermutet hinter dem Vorgehen vielmehr Verzögerungstaktik. Kronehit habe vermutlich ein Interesse daran, sein Alleinstellungsmerkmal, das einzige bundesweite Privatradio zu sein, möglichst lange zu verteidigen. Im Endausbau von DAB+ wären nämlich bis zu 24 bundesweite Radiosender in Österreich denkbar.

Schweiz: Umstellung bereits im Gange

Während es gegen den Digitalradio-Testbetrieb in Österreich also Widerstand aus der Branche gibt, haben in der Schweiz die öffentlich-rechtliche SRG und die Privatsender erst vergangenen Woche eine Vereinbarung unterzeichnet, die den Wechsel von der analogen UKW- zur digitalen DAB+-Verbreitung definiert. Ziel ist es, in der Schweiz ab dem Jahr 2020 Radioprogramme nur noch digital und hauptsächlich über DAB+ zu verbreiten. Spätestens 2024 soll der letzte UKW-Sender vom Netz genommen werden. Im Vorjahr wurden in der Schweiz nahezu zwei Millionen DAB+-Radios verkauft. 15 bis 20 Prozent der Hörer verfügen bereits über Digitalradio.

Quelle: http://diepresse.com/home/kultur/medien/4692797/Digitalradio_ORF-und-Kronehit-nehmen-nicht-an-Testbetrieb-teil-?from=gl.home_kultur

Soundy